Erste Kuhtoilette in der Schweiz
In Hellbühl (LU) ist die erste Kuhtoilette der Schweiz in Betrieb. Die «Cowtoilet» ist Teil des Projekts «Ammoniak und Geruch Zentralschweiz».
19.06.2025
Auf dem Betrieb der Familie von Franz Röösli in Hellbühl (LU) ist diese Woche die erste in Betrieb stehende «Cowtoilet» der Schweiz vorgestellt worden. Die Kuhtoilette «Cowtoilet», für die die Firma Hanskamp (NL) 2020 auf der EuroTier eine Goldmedaille erhalten hat, ist ein freiwilliges Uriniersystem für Kühe, das Kot und Harn unmittelbar bei der Ausscheidung trennt. So wird die Freisetzung von Ammoniak verhindert, das insbesondere dann entsteht, wenn sich Urin und Kot mischen. Bei Rööslis kommen für die derzeit 36 Kühe im Stall zwei Stationen der «Cowtoilet» zum Einsatz. Eine Station kostet CHF 30'000.- und ist für 25 Kühe ausgelegt. Ist die Kuh in der Box, wird sie von der Maschine zwischen Euter und Vulva stimuliert, damit ein Harndrang entsteht. Der Urin wird mit einem Behälter aufgefangen, mit einer Pumpe in einen separaten Tank geleitet und kann dann als hochwertiger Stickstoffdünger weiterverwendet werden. Rund 5,6 Liter Urin pro Kuh und Tag konnten bisher im Stall gesammelt werden.
Damit die Kühe überhaupt auf die «Toilette» gehen, werden auf dem Betrieb Röösli die Kühe mit Maiswürfeln in kleinen Portionen (rund 30 Gramm pro Stunde, max. 1 kg pro Kuh und Tag) in die Box gelockt. Die Herausforderung sei, das System dereinst einmal ohne grossen Lockfuttereinsatz zu betreiben, um den Melkroboter nicht zu konkurrenzieren. Nicht alle Kühe gehen auf die Toilette. «Etwa 80 Prozent der Kühe benutzen die Anlage», sagte Franz Röösli vor den zahlreichen Anwesenden.
Mit erhöhten Fressplätzen, seitlichem Gefälle (3%) bei Lauf- und Fressgang und mit Harnsammelrinne liegt das Ammoniakreduktionspotenzial des Stalls bei 44 Prozent pro Kuh. Die «Cowtoilet» trägt laut den ersten Schätzungen der beim Anlass anwesenden Experten rund 15 Prozent dazu bei. In Holland, wo das System herkommt, sprechen sie von mehr, das heisst von bis zu 40 Prozent. «Wie konkret sich das System bei Schweizer Verhältnissen auf die Emmissionsminderungen auswirken wird und wie viel Harn gesammelt werden kann, das sollen Untersuchungen in den nächsten Monaten zeigen», sagte Markus Bucheli vom BBZ Hohenrain. Importeur der «Cowtoilet» von Hanskamp ist die Firma Rindlisbacher AG aus Obergerlafingen (SO).
Teil des Luzerner Ressourcenprojekts
Die «Cowtoilet» ist Teil des Projekts «Ammoniak und Geruch Zentralschweiz», das vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LB), den Zentralschweizer Landwirtschafts- und Umweltämtern sowie weiteren Institutionen getragen wird, und das nun wissenschatlich begleitet wird. Im Rahmen des Ressourcenprojekt wurde im März 2024 bereits ein «Muster-Schweinestall» in Ufhusen LU vorgestellt. Im Frühjahr 2023 wurde zudem ein «Muster-Rindviehstall» in Merlischachen SZ eingeweiht.


