Goldoni geht in türkische Hände

Goldoni erhält nach mehreren Eigentümerwechseln und wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit der türkischen Asko-Holding einen neuen Besitzer.

08.11.2026

Der italienische Traktorenhersteller Goldoni, der heuer sein 100-Jahr-Jubiläum feiert, gehört neu zur türkischen Asko-Holding. Wie verschiedene Medien Anfang November berichten, hat die türkische Industriegruppe das Bieterverfahren um die Vermögenswerte und Markenrechte des bisherigen Eigentümers Keestrack gewonnen. Die Übernahme wurde inzwischen auch von einer italienischen Gewerkschaft bestätigt. Das Unternehmen in Migliarina di Carpi bei Modena firmiert künftig unter «GLD Macchinari Agricoli Srl». 
Goldoni wurde 1926 von Celestino Goldoni gegründet und entwickelte sich vom Hersteller landwirtschaftlicher Geräte und Bewässerungspumpen zu einem bekannten Anbieter kompakter Spezialtraktoren, insbesondere für den Obst- und Weinbau. Lange Zeit befand sich das Unternehmen in Familienbesitz. Wirtschaftliche Schwierigkeiten führten 2015 zu einem Sanierungsverfahren und zum Einstieg des chinesischen Landmaschinenkonzerns Lovol. Dieser integrierte Goldoni in seine italienische Arbos-Gruppe und wollte mit dem traditionsreichen Hersteller seine Präsenz auf dem europäischen Traktorenmarkt ausbauen. Die erhoffte wirtschaftliche Stabilisierung blieb jedoch aus. 2020 geriet Goldoni erneut in eine schwere Krise, die schliesslich zur Einstellung der Produktion führte. 
2021 übernahm der belgische Baumaschinenhersteller Keestrack das Unternehmen. Die Gruppe der Familie Hoogendoorn wollte damit in die Landtechnik einsteigen und die Produktion von Spezialtraktoren, Transportfahrzeugen und Einachsschleppern wieder aufnehmen. Damals kündigte Keestrack an, rund 110 Arbeitsplätze zu sichern. Die neuen Eigentümer entwickelten auch Pläne für elektrisch angetriebene Maschinen. In diesem Zusammenhang entstand eine Zusammenarbeit mit dem Schweizer Hersteller Rigitrac beziehungsweise mit Sepp Knüsel AG. An der Eima 2022 wurde ein Elektrotraktor-Konzept gezeigt (Bild). Eine nachhaltige industrielle Umsetzung blieb allerdings aus. 
Auch unter Keestrack konnte Goldoni wirtschaftlich nicht dauerhaft Fuss fassen. Die rückläufige Nachfrage nach Landmaschinen und finanzielle Schwierigkeiten führten zu erneuten Restrukturierungsbemühungen. Im Herbst 2025 wurden konkrete Gespräche über einen Verkauf an einen türkischen Investor bekannt. Im Frühjahr 2026 folgte ein gerichtliches Bieterverfahren. Asko-Holding bot nach italienischen Medienberichten rund 8 Mio. Euro für die Vermögenswerte und Rechte des Unternehmens. 
Die Übernahme ist allerdings mit einem erheblichen Personalabbau verbunden. Ursprünglich hatte Asko vorgesehen, von 97 Beschäftigten lediglich 41 weiterzubeschäftigen. Gemäss der Gewerkschaftsmitteilung vom 6. November sind inzwischen 45 Mitarbeitende in die neue Gesellschaft übergetreten. Weitere 40 Beschäftigte entschieden sich gegen einen Wechsel und verblieben zunächst in der italienischen Kurzarbeitsregelung. Für 2027 liegt ein Reorganisationsplan vor; ein detaillierter industrieller Neustartplan steht nach Angaben der Gewerkschaft noch aus. 
Mit Goldoni erweitert die Asko-Holding ihr Portfolio im Traktorenbau. Zum türkischen Konzern gehört bereits Başak Traktör, ein Hersteller von Standard- und Spezialtraktoren. Ende 2023 übernahm Asko zudem die Mehrheit am kanadischen Unternehmen Buhler Industries mit der bekannten Grosstraktorenmarke «Versatile». Während «Versatile» das obere Leistungssegment abdeckt, könnte Goldoni künftig die Kompetenz der Gruppe bei kompakten Spezialtraktoren für den Obst- und Weinbau stärken. Ob und in welchem Umfang die Produktion am traditionellen Standort in Italien fortgeführt wird, bleibt abzuwarten. eng