Beurteilung von Reifendruckregelanlagen

Bei der Verwendung von Reifendruckregelanlagen mit überstehenden Leitungen besteht seit jeher eine gewisse Verunsicherung. Das Bundesamt für Strassen will mit einem Merkblatt nun Klarheit schaffen.

07.07.2020

So gut und sinnvoll aus agronomischer Sicht Reifendruckregelanlagen sind, so unklar war bis anhin die Rechtsgrundlage, wie man mit solchen Anlagen, die meist mit überstehenden Leitungen an den jeweiligen Fahrzeugen aufgebaut sind, auf öffentlichen Strassen unterwegs sein darf. Auf Intervention des SVLT, in Abstimmung mit der Arbeitsgruppe landwirtschaftlicher Strassenverkehr, hat das Bundesamt für Strassen nun ein detailliertes Merkblatt zur Beurteilung solcher – meist nachgerüsteter – Anlagen ausgearbeitet. Es enthält zwar keine rechtsverbindlichen Texte, stützt sich aber auf bestehende Rechtsgrundlagen ab, respektive regelt den vorhandenen Interpretationsspielraum.
Reifendruckregelanlagen weisen in der Regel ab- oder überstehende Leitungen auf, was zu einer potenziellen Gefährdung von Verkehrsteilnehmern, insbesondere Fussgänger oder Velofahrer, führen könnte. Im Merkblatt ist nun festgeschrieben, dass die Lücken, die zwischen überstehenden Luftleitungen und dem Reifen sowie dem Kotflügel bestehen, so ausgestaltet sein müssen, dass die Gefahr eines Einhängens anderer Verkehrsteilnehmer möglichst gering ist. Konkret darf diese Lücke zwischen den Leitungen und der äussersten Ebene, gebildet durch den Reifen, maximal 80 mm betragen.
Liegt die Ebene der äusseren Reifenflanke aber mehr als 80 mm innerhalb der breitesten Stelle der Achse (z.B. wegen abstehender Radnabe oder Radabdeckungen), darf diese Lücke von 80 mm auch überschritten werden.
Ein weiteres Kriterium betrifft die generelle Breite eines mit einer Reifendruckregelanlage ausgerüsteten Fahrzeugs. Der sogenannte Überstand gegenüber der äussersten Breite des Fahrzeugs darf nämlich nicht mehr als 100 mm pro Seite betragen.
Die Leitungen und Teile der Anlage werden zudem bei der Messung der Fahrzeugbreite mitberücksichtigt. Die zulässige Aussenbreite, inklusive dieser Leitungen, muss innerhalb folgender Werte liegen:
-    2,55 m gesetzliche Höchstbreite (gewerbliche Zulassung).
-    3,00 m für land- und forstwirtschaftliche Ausnahme-Transportfahrzeuge.
-    3,50 m für land- und forstwirtschaftliche Arbeits-Ausnahmefahrzeuge.
Weiter dürfen die Aussenkanten bis zu einer Höhe von 2,00 m keine scharfen, nach aussen gerichteten Kanten aufweisen.
Der Inverkehrbringer einer Reifendruckregelanlage muss mit einer Selbstdeklaration die fachgerechte Montage, die Sicherung im Falle eines Druckabfalls und die Methode der Druckluftbeschaffung (insbesondere im Zusammenhang bei pneumatischen Bremsen sowie die Absicherung gegenüber zu hohem Reifenfülldruck dokumentieren. Diese Deklaration dient der Meldung der Änderung an die Zulassungsbehörde und ist als Kopie auf dem Fahrzeug mitzuführen.

Merkblatt