Agri-PV über Reben und Beerenkulturen: eine Alternative?
An der Herbstversammlung des Branchenverbandes Thurgauer Wein thematisierte Christian Wolf von MBRsolar AG Stromproduktion mit AgriPV-Anlagen über Reben – und Beerenkulturen.
23.09.2025
Aktuell ist der Zug rund um Solarstromboom etwas ins Stocken geraten. Seit nun 15 Jahren beschäftigt sich Christian Wolf von MBRsolar AG mit dem Bau von Solaranlagen für die Stromproduktion. Vor den Thurgauer Rebleuten und Weinmachern zeigte er einleitend einige Gründe auf, die den Solarexpress ist stocken bringen. Insbesondere der Schnellzug für die grossen alpinen Solaranlagen ist völlig ausgebremst worden. Sie würden wohl einen hohen Anteil Winterstrom bringen, doch die Gestehungskosten belaufen sich auf 30 bis 50 Rp. je kWh Strom. Dies ist auch auf die enormen Baukosten und auch die Bauzeit zurückzuführen. Die normalen Photovoltaikanlagen auf den Dächern weisen auch Gestehungskosten von 4 bis 10 Rp. auf. Wolf sieht ein Nachteil in den eher kleinen Flächen. Doch es gibt auch überwiegende Vorteile wie die dezentrale Umsetzung und die individuelle Realisierbarkeit. Vermehrt sind nun Agri-PV-Ablagen im Gespräch, indem man über Reben-, Beeren- und Kirschenkulturen solche Anlagen realisiert. Wolf bezifferte die Kosten auf 10 bis 20 Rp./kWh. Bezüglich Baubewilligung und Netzanschluss sprach er von einer grossen Herausforderung. Doch auch hier stechen für ihn die Vorteile mit Synergieeffekten und einer individuellen Realisierung hervor. Hingegen stehen für den Energiefachmann die grossen auf Freiflächen in der Kulturlandschaft realisierten Anlagen im Spannungsfeld von Energie und dem Teller, obwohl sie sich schnell und günstig bauen lassen.
Doch bei den Agri-PV-Anlagen muss man nicht bei null beginnen. Auf einem Weingut am Tuniberg am Kaiserstuhl in Baden ist vor zwei Jahren eine Agri-PV Anlage über einer Rebparzelle realisiert worden. Die ersten Auswertungen sprechen für solche Projekte. So haben die Reben unter der Agri-PV-Ablage Frühfröste und Hagelschläge deutlich besser überstanden, als jene auf der Referenzfläche. Wolf sprach von einer Lichttransparenz von rund 60% und von einer besseren Ausgangslage bezüglich der Blattnassdauer. Die Anlage bringt zudem Synergieeffekte und die Photovoltaik für die Stromproduktion und die für die Rebe entscheidende Photosynthese stärken sich gegenseitig. Dies wirkt sich auf ein besseres Triebwachstum aus und bezüglich der Zuckerwerte liegen diese ebenfalls beachtlich über dem Referenzwert. Für Wolf ist klar, dass man Projekte dieser Art im Auge behalten und weiterverfolgen sollte.
Im thurgauischen Egnach ist auf dem Hof der Familie Hungerbühler eine Anlage auf rund 50 Aren über einer Kirschenkultur realisiert worden, was zu einer Beschattung von 40 bis 50% führt. Sie weist eine Leistung von 383 kWp auf, was eine Jahresproduktion von rund 344‘000 kWh entspricht. Die Bruttokosten belaufen sich auf CHF 2600 je kWp. Nach Abzug der Fördergelder von CHF 400 fallen nettobaukosten von CHF 2200 an. «Die Investitionskosten liegen netto bei 9,88 Rappen je kWh», rechnete Wolf vor. Dazu kommen Zinskosten (1%) von 1,23 Rp. sowie Betriebskosten von 2,31 Rp. Entsprechend sprach Wolf Totalkosten von 13,42 Rp.
In Steillagen sind massive Stützvorrichtungen und Verbauungen nötig, damit die Anlagen auf drei bis fünf Meter Höhe dem Wetter standhalten. Wolf sprach hier von 8 bis 9 kg Stahl pro Quadratmeter, welche die Stabilität der Anlagen sichert. Um aber den Eigenverbrauch genau zu kennen, muss die Stromrechnung beigezogen werden. «Hier liegt das Hauptproblem oftmals bei unübersichtlichen Rechnungen. So gibt es Tarifanpassungen unter dem Jahr oder man keine Daten über die eigene bezogene Spitzenlast“, führte Wolf aus. Zudem gibt es je nach Versorger Monats- Quartals- oder Jahresrechnungen, welche teilweise auch noch auf mehreren Zählern basieren.
Wolf wagte bezüglich der Mindestvergütungen für die Einspeisung von Strom aus PV-Anlagen ins öffentliche Netz auch einen Blick in die Zukunft. Hier gibt es eine Korrektur nach unten. Denn die Strompreise sind allgemein unter Druck geraten. So lag der Referenz- Marktpreis im Mai für Solarstrom bei gerade noch 2,009 Rp., während es Wasserkraft oder Windenergie noch 7 Rappen gab.
Entsprechend plädierte Wolf für mehr Eigenverbrauch und brachte die Batterie als neuer Player und Speicher ins Spiel. Die Berechnung der Kosten basiert auf der Strukturverbesserungsverordnung. Dazu wird der Gesamtverbrauch des Betriebs beigezogen und durch 365 geteilt und mit dem Faktor 0,6 multipliziert. Dafür gibt es schon erste Batteriespeicher auf dem Markt. Hier ist bei der Beschaffung wiederum die Lade- und Entladeleistung von 30 oder 50 kVA von Bedeutung, weil diese sich auf die Ladedauer der Batterie respektive die Nutzung auswirkt. Die Investitionskosten für ein 60kWh Anlage mit einer 30 kVA-Leistung bezifferte Wolf auf CHF 38‘000. Die gesamten Speicherkosten belaufen sich auf 18 Rp. je kWh.
Das Fazit mit der weiteren Entwicklung für die Nutzung der Sonnenenergie für die Stromproduktion von Wolf fällt etwas durchzogen aus. «Momentan ist der Solarstrom die wohl günstigste Energie. Projekte werden zum Teil zu Gestehungskosten unter 5 Rappen realisiert», hielt Wolf fest. Zudem ist diese Energie sauber, leise und nachhaltig und die Anlagen lassen sich fast überall ohne grossen Aufwand zu realisieren. Doch kann kommt sein leises aber; «Anlagen machen grösstenteils nur im Eigenverbrauch Sinn. Anlagen ohne Batterie-Speicherung machen je länger je weniger Sinn». RoMü


